Pferde fangen auf der Birk

Geschrieben von Gisela Vierling am . Veröffentlicht in Content

Am 24.09.2011 war es soweit. Der Wildpferdeverein wollte die 77 Konikpferde umfassende Herde einfangen. Über dreißig Helfer hatten sich eingefunden, um beim Zusammentreiben der Herde zu helfen. Nachdem es vorher wochenlang geregnet und auch in der Birk ziemlich viel Wasser gestanden hatte, war es endlich etwas abgetrocknet und an diesem Tag schien sogar ein wenig die Sonne.

Die Treiber wurden mit Stöcken ausgerüstet, damit sie größer und beeindruckender erscheinen, falls die Pferde versuchen sollten, ihre Kette zu durchbrechen. Einige Helfer hatten sich schon an der Fanganlage bereitgestellt und der Rinderhalter, Herr Petersen, bewachte mit seinen Leuten den vorher gezogenen Litzenzaun am Wanderweg zum Mittelgraben.

Als sich die Treiber bei der Mühle Charlotte auf der Weidefläche verstreuten, stand die ganze Pferdeherde oben am Eschenholz und beobachtete misstrauisch diesen Volksauflauf. Ein Seeadlerpärchen flog auf und scheuchte gleichzeitig hunderte Gänse in die Luft. Das war das Zeichen für die Ponies, auch die Flucht zu ergreifen. Sie galoppierten in Richtung Osten davon. Da waren aber nun der Litzenzaun und Herr Petersen und seine Männer, also ab in Richtung ehemaliger Melkstand bei der Ziegeleikate.

Und schon waren sie gefangen, denn dort befindet sich die 2009 im Auftrag der Stiftung Naturschutz von den Mitarbeitern der ISGB errichtete hölzerne Fanganlage. Diese Fanganlage haben sich Thomas Bender und Nils Kobarg (Mitarbeiter des LLUR) ausgedacht und das System ist ziemlich einmalig in Deutschland.

Hier kommen die Pferde zunächst auf einen größeren Sammelplatz, von dem aus sie einzeln durch einen Treibegang zu einem Behandlungsstand gelangen und sortiert werden, je nachdem was weiter mit ihnen geschehen soll. Sie können direkt verladen, in einem kleineren Paddock gesammelt oder wieder direkt auf die Weidefläche entlassen werden.

Diesmal bestand die Aufgabe darin, die nachgeborenen Fohlen zu identifizieren und mit Transpondern zu versehen, was seit einiger Zeit EU-Vorschrift für alle Pferde ist. Außerdem sollten einige Koniks als Freizeitpferde verkauft werden, da die Herde nicht viel größer werden darf um die biologische Balance der Birk nicht zu gefährden.

Es waren einige Interessenten gekommen und so fanden insgesamt zwölf Jungpferde ein neues Zuhause auf Reiterhöfen und in kleinen Pferdehaltungen in Angeln, Schwansen und Nordfriesland. Drei etwas ältere Hengste traten den Weg zum Schlachter an. Diese Entscheidung ist leider unumgänglich, da die Pferde sehr fruchtbar sind und fast alle Stuten ab zwei bis drei Jahren jährlich ein Fohlen gebären.

Würde man Hengste und Stuten getrennt halten, wirkte sich dies negativ auf die Bewegungsfreude der Koniks aus. Sie ziehen viel weniger umher, fressen ständig, werden zu fett und entwickeln häufig Hufrehe, eine gefährliche Krankheit. Andrerseits gibt es nicht genügend geeignete Abnehmer für die jungen "Wildlinge".

Trotzdem waren wir vom Wildpferdeverein sehr zufrieden mit der Nachfrage, hatten wir doch eher mit weniger gerechnet.

Nachdem alle Pferde durch die Fanganlage geschleust und registriert, die verkauften Jungtiere verladen und die Anderen wieder in die Freiheit entlassen worden waren, gab es für die verbliebenen Helfer noch einen geselligen Ausklang bei Erbsensuppe, Kaffee und Kuchen. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für die tolle Unterstützung durch die vielen freiwilligen Helfer, die FÖJler und Praktikanten von der Integrierten Station Geltinger Birk in Falshoeft.

Gisela Vierling
(Wildpferde Geltinger Birk e.V.)